
Der römisch-katholische Dom St. Petrus in Osnabrück ist die älteste Kirche des Bistums Osnabrück. In dem Gebäude finden neben kirchlichen Veranstaltungen wie Gottesdiensten oder Trauungen auch Konzerte und Führungen statt. Jedes Jahr besuchen rund 30.000 Menschen den Dom, dessen bauliche Wurzeln bis ins 8. Jahrhundert zurückgehen und der heute im Wesentlichen aus Elementen besteht, die im 12. Jahrhundert entstanden sind.
In dieser Kirche sollte die Beleuchtungsanlage (Innenraumbeleuchtung) erneuert werden, da die alte nicht mehr zufriedenstellend funktionierte. Bauteile waren defekt und die Beleuchtung bestand noch aus Halogenleuchten, deren Energieverbrauch im Vergleich zu heutigen Beleuchtungslösungen sehr hoch ist.
Für die Planung der neuen Anlage wurde ein Elektroplanungsbüro beauftragt. Es stellte sich schnell heraus, dass die alten Schaltschränke revisionsbedürftig waren. Die Technik war veraltet und zum Teil defekt. Daher wurde entschieden, die Schaltschränke komplett zu erneuern.
Da im Osnabrücker Dom auch öfters abends Veranstaltungen stattfinden, musste auch die Notbeleuchtung in das Gesamtkonzept eingebunden werden.
Aus sicherheitstechnischen Überlegungen heraus sollte zudem eine permanente Überwachung inklusive eines intelligenten Alarmmanagements eingebaut werden.
Schließlich sollte die eigentliche Beleuchtung von den ineffizienten Halogen-Leuchten auf moderne LED-Technik umgestellt werden.
Den Auftrag für den Umbau erhielt das renommierte Elektrounternehmen AGW Elektrotechnik aus der Region.
Es waren vor allem zwei Dinge, die für den Umbau besonders zu beachten waren:
Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, musste das bestehende Elektroinstallationsnetz weitgehend erhalten bleiben. Eine vollständige Neuverkabelung war nicht möglich, sodass neue Leitungen nur in Teilbereichen verlegt werden konnten.
Da im Dom viele kirchliche Veranstaltungen stattfinden, musste ein passendes Zeitfenster für den Umbau gefunden werden. Zu den wichtigen kirchlichen Festen sollte es nicht zu Einschränkungen kommen.
Aufgrund des beschriebenen Auftrags und der besonderen Herausforderungen wurde kurz nach dem Fest "Heilige Drei Könige" (6. Januar 2025) mit dem Umbau begonnen.
Die gesamte elektrische Anlage erhielt zunächst eine Umschalteinrichtung vom Typ ATICS®. Diese ermöglicht bei einem Stromausfall eine schnelle Umschaltung von der normalen Stromversorgung auf eine batteriegestützte (Ersatz- bzw. Not-)Stromversorgung und stellt damit die Notbeleuchtung im Dom sicher.
Um eine maximale Sicherheit und Verfügbarkeit zu erreichen wurde für jeden der 96 Abgänge (vorwiegend für Beleuchtung aber auch für die Dom-eigene IT) eine permanente Überwachung durch Differenzstrom-Messtechnik eingeplant. Diese wurde durch 6-kanalige Differenzstrom-Überwachungsgeräte vom Typ LINETRAXX® RCMS150 realisiert, die speziell für den Einsatz zur Überwachung von Endstromkreisen entwickelt wurden. Die Geräte erfassen bereits kleine Fehlerströme und melden die Überschreitung eines voreingestellten Schwellwertes an die übergeordnete Leittechnik und das Alarmmanagement weiter. Da die Geräte Endstromkreise überwachen, wird im Fehlerfall die Fehlersuche sehr vereinfacht. Denn Fehler lassen sich auf den Abgang genau eingrenzen.
Zentraler Teil des Alarmmanagements ist der Condition Monitor COMTRAXX® COM465IP. Dieses Gerät managt zum einen alle Messwerte und Alarme der angeschlossenen Überwachungsgeräte. Des Weiteren verfügt das Gerät über einen eingebauten Webserver. Somit kann der Zustand der gesamten Elektroinstallation über eine einzige Webseite einfach überwacht werden. Wichtiger Baustein des COM465IP ist das integrierte Alarmmanagement. Sobald eines der angeschlossenen Überwachungsgeräte einen erhöhten Fehlerstrom erkennt, werden automatisch generierte E-Mails ausgelöst, zum Beispiel an das Wachpersonal oder die verantwortliche Elektrofachkraft. Je nach Empfänger können die E-Mails individualisierte Texte enthalten. Mit diesem Alarmmanagement wird sichergestellt, dass Fehler in der elektrischen Installation sofort gemeldet werden, ohne dass das Personal ständig vor Ort sein muss.
Zusätzlich zu diesem Condition Monitor wurde in der Sakristei eine eigentlich in Krankenhäusern verwendete Melde- und Prüfkombination vom Typ COMTRAXX® CP305 eingebaut. Dieses Gerät gibt im Fehlerfall einen akustischen und optischen Alarm und stellt vor Ort sicher, dass ein Fehler schnell erkannt und beseitigt werden kann.
Schließlich wurde zu Testzwecken die Überwachungssoftware POWERSCOUT® auf den Rechnern der Küster in der Sakristei sowie bei den Mitarbeitern der Arbeitssicherheit des Bistums eingerichtet. POWERSCOUT® ist ein Langzeit-Analysetool, mit dem neben kurzfristigen vor allem langfristige Zustandsänderungen des elektrischen Systems erkannt werden können.
Der Umbau konnte bis Ostern 2025 nahezu vollständig abgeschlossen werden. Auch alle vorhandenen Leuchten wurden durch stromsparende LED-Technik ersetzt.
Alles in allem hat der Dom St. Petrus in Osnabrück eine hochmoderne Beleuchtungsanlage bekommen, die nicht nur sehr viel weniger Strom verbraucht, sondern mit der jetzt auch softwaregesteuerte Lichtszenen programmiert werden können. Das ist allerdings nur der sichtbare Teil. „Unter der Haube“ befindet sich eine intelligente Überwachungstechnik, die ein Höchstmaß an Sicherheit im Normalbetrieb aber auch bei einem möglichen Stromausfall bietet. Durch die permanente Differenzstromüberwachung der einzelnen Abgänge können jetzt im laufenden Betrieb Fehlerquellen schnell und eindeutig identifiziert und damit Ausfälle vermieden werden. Das mehrstufige Alarmmanagement sorgt dafür, dass die Verantwortlichen schnell und sicher informiert werden, sobald ein elektrischer Fehler erkannt wird. Die permanente Überwachung und das Alarmmanagement bieten zugleich mehr Sicherheit vor elektrischen Bränden. Das ist gerade für ein denkmalgeschütztes Gebäude ein entscheidender Vorteil.
Seit dem Umbau funktioniert die Beleuchtungsanlage absolut problemlos. Bisher gab es keine Ausfälle. Auch das Überwachungssystem funktioniert perfekt, sagt Elias Witzke von der AGW Elektrotechnik, die den Umbau durchgeführt und die Küster vor Ort eingewiesen hat. Es hat auch schon einige Male Fehlermeldungen gegeben, erwähnt Elias Witzke. Und zwar immer dann, wenn bei Regen auf dem Dachboden des Doms Wasser in Steckdosen oder Verteilerdosen eindringt und damit ein Fehlerstrom auftritt. Aber genau damit hat die Differenzstrom-Überwachungstechnik ihre Aufgabe voll erfüllt. Zu keiner Zeit gab es eine gefährliche Situation. Am Dom ist man deshalb sehr zufrieden mit der gesamten neuen Beleuchtungsanlage. Sie sei vor allem viel bedienungsfreundlicher als die alte.

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ZUM KONTAKTFORMULARWie Sie Abschaltungen und Stillstände von elektrischen Anlagen mit Differenzstromwachung verhindern können.
Welche Vorteile Differenzstromüberwachung in elektrischen Anlagen hat und welchen Nutzen Sie davon haben.
Die Technologie kurz erklärt und warum es unterschiedliche Geräte für unterschiedliche Applikationen gibt.