MONITOR_02_2018_DE

Wohin glauben Sie, wird sich die Branche entwickeln? Die Umstellungen von Verbrennungs- auf Elektromotor werden auch bei großen Unternehmen wie BMW, Daimler oder VW zu neuen Ansätzen führen. Zulieferketten werden anders gestal- tet. Umschulungen für Mitarbeiter werden erforderlich. Einige Unternehmen werden verschwinden. Auf der anderen Seite werden neue Firmen, Berufsbilder und Studiengänge entstehen. Der Wandel ist nicht aufzuhalten: Mobilität wird elektrifiziert. Sehen Sie dabei Schwierigkeiten? Im Bereich eMobility sind viele Dinge nicht unbedingt schwie- riger, aber einfach anders. Kontinuierlich arbeiten wir an der Erstellung und Etablierung neuer Prozesse und Arbeitsabläufe, um den Spielregeln in der eMobility gerecht zu werden. Im Vergleich zu typischen industriellen Bender-Produkten steht die Elektromobilität bereits heute unter enormem Preisdruck, bei gleichzeitig deutlich höheren und stark steigenden Stück- zahlen. Bei der Elektromobilität stellt sich die Frage, was die End- verbraucher – oft Privatpersonen – bereit sind, für Elektro- mobilität zu zahlen. Was darf Bender-Sicherheits- oder Lade- technologie beispielsweise für eine Wallbox in der heimi- schen Privatgarage kosten? Welche Lieferzeit ist akzeptabel? Wie teuer darf ein PKW mit Bender-Isolationsüberwachung sein? So sind wir gezwungen, in anderen Dimensionen zu denken, müssen die aktuell sehr langen Lieferzeiten der Elektronikkomponenten beachten, um trotz stark steigender Nachfrage an die Endprodukte den Markt ausreichend abzu- decken. Oftmals gleichen Stückzahlprognosen einem Blick in die Glaskugel, aber auch hiermit müssen wir lernen umzugehen. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Welche Momente und Aufgaben empfinden Sie als besonders spannend? Besonders reizen mich die Neukundenakquise und die Zusammenarbeit mit ebee Smart Technolgies in Berlin. ebee stellt sozusagen die Software-Schmiede der Charge Controller dar und bietet gleichzeitig den ansprechenden Charakter eines Start-Ups – eine sehr interessante und erfolg- reiche Kombination. Bender sorgt mit ebee für die stetig aktu- ellste Technik, sozusagen das Herzstück von Ladestationen. Der Kunde, z. B. der Hersteller von Ladestationen, ist für die Fertigung und das Design verantwortlich. Für den Endkunden, z. B. eine Gemeinde, soll das System aber letztendlich mög- lichst günstig und das öffentliche Laden bezahlbar werden. Damit sich die hohen Entwicklungskosten von sehr intelligen- ten und vernetzen Charge-Controllern rentieren, sind hohe Stückzahlen erforderlich. Das ist wiederum eine große Aufgabe für Produktion, Einkauf, Vertrieb und Logistik. Somit ist insge- samt ein Umdenken – auch intern – erforderlich, um gemein- sam nachhaltig erfolgreich zu sein. Welche neuen Akzente wollen Sie in Zukunft setzen? Als BU-Leiter habe ich eine übergeordnete Rolle. Inner- betrieblich muss ich anleiten, überzeugen, motivieren, dabei aber nicht alles als 100-prozentige Lösung vorgeben. Mitarbeiter dürfen und sollen mitdenken und gestalten – können auch Fehler machen, müssen aber daraus lernen. Mir ist es wichtig, dass bei jedem neuen Entwicklungs- oder Kundenprojekt alle von Anfang an ihre eigenen Ideen einbrin- gen und als Team fungieren. Die Belegschaft kann und muss die Zukunft aktiv mitgestalten. Vor allem aber müssen Hemmungen abgebaut werden. Damit die Scheu vor der Elektromobilität verloren geht, kann beispielsweise jeder unserer Mitarbeiter bereits seit zwei Jahren ein firmeninternes Elektrofahrzeug – beruflich, aber auch privat – nutzen. Welche Ziele haben Sie sich konkret gesetzt? Mein Ziel ist es, Bender im Bereich Elektromobilität bis 2019 noch internationaler aufzustellen. Heute bedienen wir hauptsächlich Deutschland und die nordischen Länder in Europa. Doch auch in den sogenannten Schlüsselländern, wie China und den USA, aber auch Spanien, Italien oder den Niederlanden, müssen wir nachhaltige Strukturen aufbauen. Zwei Drittel des Weltmarktes wird von China beherrscht. China ist damit eindeutig der Treiber und Taktgeber der Elektromobilität. Eben dorthin müssen wir uns orientieren, um Schritt zu halten und unsere Technologie zu positionieren. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Vorteile von Bender in diesem Bereich? Oft wird in den Medien über die Alltagstauglichkeit der Elektromobilität diskutiert, doch für den Einsatz von Bender- Produkten benötigen wir keine reinen Elektrofahrzeuge mit großen Reichweiten. Auch wenn Fahrzeuge nicht komplett elektrisch betrieben werden, z. B. Plug-In-Hybridfahrzeuge mit nur 30 Kilometern Reichweite, haben wir mit unseremPortfolio einen wesentlichen Anteil an der Branche. Denn schon bei geringen Reichweiten wird die Isolationsüberwachung im Fahrzeug und eine Ladestation benötigt – idealerweise „Bender-Technologie inside“. Beenden Sie folgenden Satz: Bender bedeutet für mich...? … positive Veränderung – gemeinsam Zukunft gestalten! Michaela Heck M.A. textwerk Herr Lehr herzlichen Dank für das Gespräch. 47 2/2018 | MONITOR |

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